Aufforderung zur Stellungnahme

Sehr geehrter Herr Bundesminister!

Im Zuge der den Medien zugespielten und veröffentlichten Dokumente über die „Kindergartenstudie“ von Ednan Aslan, wurde nun eine öffentliche Debatte angestoßen in deren Mittelpunkt Sie stehen.

Die veröffentlichten Unterlagen belasten das von ihnen geführte Ministerium massiv.

Einerseits wird nun der Vorwurf erhoben, dass die besagte Studie durch Mitarbeiter ihres Ministeriums intensiv bearbeitet worden ist, so geht aus den vorgelegten, veröffentlichten Unterlagen hervor, dass bewusst Begriffe und sogar ganze Textpassagen gestrichen wurden, sowie in überspitzter Form abgeändert wurden.

Zwei Beamte ihres Ministeriums sollen sechs Tage lang, mehrere Stunden pro Tag, diese Studie intensiv bearbeitet haben. Sie haben Rechtschreibfehler ausgebessert, Fragen in das Dokument an den Forscher gestellt und Sie haben am Ende Aussagen ins Gegenteil gedreht. Die Studie wurde bekanntermaßen von ihrem Ministerium in Auftrag gegeben.

Sie können die Studie annehmen oder ablehnen jedoch nicht Ergebnisse der Studie mit dem Autor der Studie umändern und umschreiben, bis sie zu ihren Gunsten ausfällt.

Derartiges würde keiner wissenschaftlichen Methodik würdig sein und ist blanker Betrug sowie gezielte Hetze gegen eine bestimme Religionsgemeinschaft als auch deren Einrichtungen.

Da Sie diese Studie auch oft als Grundlage für ihre politische Agitation gegen islamische Kindergärten verwenden, lässt sich durchaus ihre Integrität sowie der Wahrheitsgehalt ihrer Äußerungen anzweifeln. In diesem Zusammenhang darf ich Sie selbst zitieren. „Wie so oft in der Politik kann man sich jede Studie schreiben lassen die man möchte, um die eigene Meinung zu untermauern“.

Aufgrund ihrer Aussage sowie der publik gewordenen Unterlagen bezüglich der Kindergartenstudie erheben wir nun den Vorwurf Ihnen gegenüber, das österreichische Volk bewusst mit abgeänderten Studien sowie überspitzten Bezeichnungen täuschen zu wollen, um auf dem Rücken einer Minderheit eine salonfähig gewordene islamophobe Grundhaltung als Wählermagnet zu nutzen. Wir fordern diesbezügliche eine klare ausführliche Stellungnahme des ihnen unterstellten Ministeriums sowie Ihrer Person bezüglich dieser Causa.

Sollten die erhobenen Vorwürfe gegen ihre Person sowie das Ministerium sich belegen, fordern wir Sie zudem auf, im Interesse der Österreichischen BürgerInnen unverzüglich von ihrem Amt als Außen- und Integrationsminister zurückzutreten.

 

Hochachtungsvoll,

 

Adnan Dincer

Bundesparteiobmann der NBZ-Partei

Dornbirn, 04.07.2017

 

 

Anhang:

Beispiele der veränderten Passagen (Quelle: Falter https://www.falter.at/archiv/wp/frisiersalon-kurz

Seite 91 der Erstversion: Aslan schreibt von einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“. Die Beamten korrigieren das Wort in „Parallelgesellschaft“.

Seite 92. Im Originaltext steht: „Sprache und Sprachförderung ist manchen Eltern das Allerwichtigste im Kindergarten“. Die Beamten streichen den Satz heraus.

Seite 97: Die Originalstudie attestiert, „die Mitarbeiterinnen der Stadt werden in der Regel als Kontrollmacht wahrgenommen“. Der Satz wird gestrichen.

Originalfassung, Seite 101: Muslimischen Eltern, sind „Werte wie Respekt, Gelassenheit, Individualität des Kindes, Hygiene, Zufriedenheit der Kinder, Pünktlichkeit, Liebe, Wärme und Geborgenheit, Selbständigkeit und Transparenz der Regeln“ besonders wichtig.

Redigierte Fassung: „Besonders wichtig ist ihnen, dass (…) den Kindern islamische Werte vermittelt werden“. Die Aufzählung der Tugenden wird einfach gestrichen.

 

Originalfassung Seite 109: „Das Kind soll selbständig, respektvoll und liebevoll erzogen werden.“

Redigierte Fassung: „Bisweilen sollen Kinder auch vor dem moralischen Einfluss der Mehrheitsgesellschaft geschützt werden.“

 

Originalfassung, Seite 108: „Die (…) Ergebnisse (…) verdeutlichen, dass sich der Kindergarten im Bildungsangebot, im Setzen der pädagogischen Schwerpunkte und in der Wertevermittlung nicht von anderen Kindergärten unterscheidet-“

Redigierte Fassung: „Die (…) Ergebnisse (…) verdeutlichen, dass als unterscheidende Merkmale zu anderen Kindergärten die Bedeutung der religiösen Bildung/Erziehung (…) hervorgehoben wird.“

 

In der Originalfassung, Seite 101, zitiert der Forscher einen Betreiber eines Kindergartens, der die exzellente Qualifikation von muslimischen Bewerberinnen lobt – etwa ihre Sprachkenntnisse. Das wird gestrichen.

In der redigierten Fassung steht: „Aus Mangel an in Österreich ausgebildeten PädagogInnen werden häufig PädagogInnen aus den neuen EU-Staaten beschäftigt. In diesem Bereich klagen z.B. Eltern, dass dieses Personal die deutsche Sprache nicht gut beherrscht.“

 

NBZ-Neue Bewegung für die Zukunft.